Unter diesem Titel erschien im Oktober 2008 ein Beitrag in Gesund&Leben, der zeigt, dass das Landesklinikum Wiener Neustadt Schrittmacher für die anderen Kliniken ist.

Daten wandern, nicht die Menschen: Ab 2009 sollen Befunde zwischen den Kliniken generell per Datenleitung übermittelt werden. Das erspart Patienten Doppeluntersuchungen und bringt rascher eine zweite Meinung. Dicke Patientenakten und sperrige Röntgenbilder gehören im Landesklinikum Wiener Neustadt zur Vergangenheit. Die Radiologie ist komplett digitalisiert, sämtliche Diagnose-Bilder werden elektronisch gespeichert. PACS heißt das Projekt – "Picture archiving communication system". Praktisch ist das für die Ärzteschaft, wirklich gut für die Patienten. Gesund&Leben fragte den Projektleiter und Leiter der Abteilung für Zentralröntgendiagnostik, Interventionelle Radiologie und Nuklearmedizin Primar Univ.-Doz. Dr. Paul Christian Hajek, was die Patienten genau davon haben.

G&L: Was steckt hinter diesem Digitalisierungsprojekt PACS?

Hajek: Eine ganze Menge: Die komplette Digitalisierung der Radiologie und die dazugehörigen Geräte ermöglichen uns ganz neue Möglichkeiten in der Diagnostik und im Datenaustausch. Davon profitieren die Patienten und auch die Mitarbeiter unseres Hauses.

G&L: Was bringt das in der täglichen Arbeit? Was ist anders?

Hajek: Wir kriegen zum Beispiel einen Patienten aus einem anderen Klinikum mit dem Verdacht auf Schlaganfall. Er kommt zu uns zum Abklären und zur Therapie, weil wir eine Neurochirurgie haben. Er bringt eine CD-Rom mit Daten vom Schädel-CT mit, und wir können mit diesen Daten am Bildschirm sofort klären, wie es weitergeht und müssen ihn nicht noch einmal in den Computertomographen legen. Das spart ungeheuer viel Zeit, gerade in dieser Situation ist das wichtig. Denn beim Schlaganfall zählt jede Minute, und je schneller der Patient richtig behandelt wird, desto besser sind seine Chancen auf eine möglichst weitgehende Genesung. Er braucht danach weniger Therapie und muss sich weniger plagen, Dinge wieder neu zu lernen.

G&L: Das heißt, man spart dem Patienten Untersuchungen?

Hajek: Genau, man erspart Patienten, dass Untersuchungen nochmals gemacht werden müssen, was übrigens auch Geld spart. Man erspart Patienten beispielsweise, noch eine Nadel gesetzt zu bekommen, wovor viele Angst haben. Man erspart ihnen, nochmals Kontrastmittel zu bekommen oder nochmals Röntgenstrahlen ausgesetzt zu werden.

G&L: Und warum kommt der Patient in Ihrem Beispiel mit einer CD-Rom? Könnte man nicht einfach die Daten über Internet schicken?

Hajek: So weit sind wir schon fast, aber noch nicht überall. Mit Jahreswechsel etwa können wir zwischen allen Kliniken die Daten digital austauschen, und zwar in einem sicheren System, sicherer als das Internet. Wir erproben das derzeit zum Beispiel mit dem Landesklinikum Hochegg. Was daran besonders gut ist: Bei einem heiklen Fall können wir so ganz schnell eine zweite Meinung einholen, auch wenn der Experte in einem weit entfernten Klinikum sitzt. Das ist ein wichtiger Schritt in die Zukunft.

G&L: Sie haben Vorteile in der Diagnostik erwähnt. Welche sind das? Wie funktioniert dieses System?

Hajek: Alle unsere Geräte sind an ein hochmodernes Computernetz angeschlossen, sämtliche Ergebnisse werden in digitalen Bildern angezeigt. Das ermöglicht uns eine noch präzisere Diagnostik, als es früher möglich war. Denn diese Bilder sind wesentlich aussagekräftiger als die alten Röntgen-Filme, viel klarer, präziser. Und die digitalen Bilder können sofort an verschiedene Experten in den zuständigen Abteilungen im Haus verschickt werden. Wir können die Ergebnisse der Untersuchung rasch miteinander besprechen, weil nicht mehr nur ein Bild zur Verfügung steht. Dieser intensive Dialog zwischen den Fachärzten unterschiedlicher Richtungen hilft uns, eine raschere und noch individueller auf den Patienten abgestimmte Therapie zusammenzustellen.

G&L: Weniger Papier und keine Röntgenbilder mehr – das spart sicher Geld.

Hajek: Es macht das tägliche Handling leichter und spart übrigens auch Patienten-Transporte, denn wir "verschicken" die Patienten nicht mehr, damit ein anderer Arzt sie begutachtet. Das spart Zeit und Kosten. Wir brauchen auch keine Räume mehr zum Archivieren, das spielt gerade beim Platzmangel im Klinikum Wiener Neustadt eine Rolle. Denn die Daten werden mit dem Krankenhausinformationssystem vernetzt und in einem speziellen und sicheren digitalen Speicher archiviert, im NÖ Zentralarchiv. Selbst wenn unser lokales Computersystem ausfällt, gehen die Daten so nicht verloren. Das Wegfallen der Röntgenbilder und der früher nötigen Chemikalien bedeutet natürlich auch eine spürbare Entlastung für die Umwelt.

Quelle: Gesund&Leben 10/2008