Ab Dezember 1951 wurden Pläne für die Umgestaltung des Krankenhausareals in die Tat umgesetzt. Da wurden zunächst die Werkstätten in das Desinfektionsgebäude verlegt (alte Mayerhofer-Mühle). Nach Hebung des Dachstuhles fanden dort Garage, Schlosserei, Elektrikerwerkstatt, die Tapeziererei sowie die Näherei Raum. Das bisherige Werkstättengebäude wurde um den Betrag von 4.200 Schilling zur Prosektur (Pathologie) umgebaut, die mit all ihren Nebenräumen 1954 eröffnet wurde. Auch die seit 1932 projektierte Anstaltsapotheke fand eine Heimstätte und nahm 1955 ihren Betrieb auf. Auch in der Röntgenabteilung wurden Umgestaltungen vorgenommen, in der Chirurgie hatte man neben einem dritten OP-Saal eine Sterilisations- und Klimaanlage geschaffen. 1957 wurde eine Anästhesie-Abteilung vom Gemeinderat beschlossen und alsbald errichtet. (Für die Narkose waren bis zu dieser Zeit geschulte Krankenpfleger verantwortlich!)

Im Jahre 1960 führten Vertreter der Stadt unter Leitung von Stadtrat Rudolf Kumbein mit der Landessanitätsdirektion Verhandlungen, die eine Umwandlung der bestehenden Lungenabteilung in eine II. Interne, unter Einbeziehung von Lungenkranken, zum Gegenstand hatten. Trotz heftigem Streit in der städtischen Gemeindepolitik wurde diesem Wunsch letztlich vom Land stattgegeben.

Krankenpflegeschule

Im Mai 1951 beschloss der Gemeinderat in Wiener Neustadt, eine Krankenpflegeschule mit Internat einzurichten. Einem Übereinkommen mit den geistlichen Hartmann-Schwestern zufolge übernahm die Stadtgemeinde die Leitung der Schule. Sie verpflichtete sich, die Lehrräume, Lehrmittel und Lehrkräfte zur Verfügung zu stellen. Ab 1951 waren einige Räume im Kolpinghaus Wiener Neustadt (damals Mühlgasse 3, heute Grazer Straße) adaptiert worden. Auch das Internat war dort untergebracht. Der Unterricht wurde teilweise auch in einem Kellerraum des Krankenhauses abgehalten. Der erste Jahrgang bestand damals aus 24 Schülerinnen. 1954 wechselte die Schule den Standort und übersiedelte in das Haus des Vereins Knabenhort - heute Domkindergarten (Baumkirchnerring 11). Die feierliche Eröffnung der neuen Diplomschwesternschule (Eyerspergring 15) fand nach mehr als zwei Jahren Bauzeit am 4. November 1966 durch den Bundespräsidenten Franz Jonas statt.

Die Krankenhausverwaltung

Im Gebäude des ehemaligen Karmeliterklosters wurden um 1,5 Millionen
Schilling die Räumlichkeiten für die Krankenhausverwaltung geschaffen und 1967 ihrer Bestimmung übergeben.

Unfallabteilung und Zentralküche

Die 1967 begonnenen Bauarbeiten für eine neue unfallchirurgische Abteilung fanden nach fast 40 Monaten Bauzeit ihr Ende, sodass im Jahre 1971 die Eröffnungsfeier, wieder mit Bundespräsident Jonas und Bürgermeister Barwitzius, stattfand.

Das Objekt umschließt eine verbaute Fläche von 2.200 Quadratmetern und einen umbauten Raum von 24.600 Kubikmetern. Das Kellergeschoß beherbergt technische Anlagen (Strom-, Wasser-, Gas- und Wärmeversorgung). Im Untergeschoß sind die neue Zentralküche samt Nebenräumen und die Physiotherapie situiert. Im Erd- und Obergeschoß ist der Bettentrakt und der Behandlungstrakt untergebracht. Insgesamt stehen 76 Betten zur Verfügung. Der Behandlungstrakt besitzt zwei von der Aufnahme kontrollierte Eingänge, sodass eine Trennung der gehfähigen von den schwerverletzt eingelieferten Patienten gewährleistet ist.

Die Zentralküche im Untergeschoß ist so eingerichtet, dass ein täglicher Ausstoß von 800 bis 1.000 Mahlzeiten gewährleistet ist, die Kapazität aber bis zu 2.000 Einheiten gesteigert werden kann. Die Küche ist gegliedert in die Hauptküche mit diversen Kochstraßen, außerdem in Kochgruppen für Mehlspeisen, Braten, Beilagen, Suppen, Salate, Gemüse, Diät und kalte Speisen. Für die Lagerhaltung gibt es eine entsprechende Zahl von unterschiedlich temperierten Kühlräumen. Einige Lagerräume sind im Keller der Bräunlich-Realität untergebracht und durch einen unterirdischen Transportgang mit der Küche verbunden.

Personelle Entwicklungen

Nachfolger des im Jahre 1947 verstorbenen Vorstandes der Internen Abteilung Prim. Dr. Hans Dimmel wurde 1948 bis 1961 Primarius Dr. Franz Leypold, der von 1961 bis 1977 die Zweite Interne Abteilung leitete.

Seit Oktober 1948 stand Dr. Wilhelm Schenkl als Primarius dem Röntgeninstitut vor. Sein Nachfolger wurde 1952 Dr. Richard Korn, der von 1952 bis 1974 dieses Institut führte. Von 1949 bis 1954 leitete Univ.-Prof. Dr. Viktor Orator die chirurgische Abteilung. 1950 erhielt der als Gerichtsmediziner bekannte Univ.-Prof. Dr. Leopold Breitenecker die Stelle eines Prosektors, von 1957 bis 1979 hatte Dr. Anton Eppel diese Position inne. Dr. Egbert Ertl wurde 1950 Chef der Oto-Laryngologischen Abteilung. Im selben Jahr wurde die Augenabteilung mit Prim. Dr. Franz Anton Hamburger neu besetzt, der diese bis 1974 leitete.

Am 31. Jänner 1959 wird Hofrat Direktor Dr. Paul Habetin als Primarius in den dauernden Ruhestand versetzt, zwei Jahre später geht er auch als Direktor des Krankenhauses in Pension. Fünfundvierzig Jahre währte seine Tätigkeit als Arzt, zweiunddreißig Jahre lenkte er die Geschicke des Hauses als Direktor. Für seine außerordentlichen Leistungen, besonders für seine Verdienste bei der Bekämpfung der Tuberkulose, wurde ihm allerseits Anerkennung und großer Dank ausgesprochen. So wurde ihm auch der Ehrenring der Stadt Wiener Neustadt verliehen.

Zum Vorstand der Ersten Internen Abteilung wurde 1961 Univ.-Prof. Dr. Vinzenz Lachnit ernannt, zwei Jahre später übernahm der Vorstand der Röntgenabteilung Dr. Richard Korn die Stelle der Ärztlichen Direktion. Das Primariat der neuen Unfallabteilung wurde mit Dr. Baldur Leitner besetzt.

Am 1. Juli 1977 wurde die neue Abteilung für Urologie eröffnet unter der
Leitung von Prim. Dr. Heinz Pum. Der gebürtige Wiener Neustädter war vorher Oberarzt an der urologischen Abteilung der Wiener Städtischen Poliklinik.
Den beiden Internen Abteilungen unterstanden zwei Laboratorien, die 1971 zu einem Zentrallabor vereinigt wurden. Dieses entwickelte sich unter der Leitung von Prim. Dr. Kurt Nechvile zu einem modernen Diagnosezentrum.

1951-1977:
Das Krankenhaus entwickelt sich zum modernen, leistungsstarken Betrieb

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Spitalsapothekerin in ihrem Ornat (Industrieviertelmuseum)

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Die Baustelle der Unfallabteilung: Sie bekommt 76 Betten und zwei getrennte Eingänge – für gehfähige und für schwerverletzte Patienten.



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Die neue Zentralküche (1971) kann bis zu 2.000 Portionen pro Tag produzieren.

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Hofrat Direktor Dr. Paul Habetin arbeitete 45 Jahre als Arzt im Krankenhaus Wiener Neustadt, 32 Jahre lenkte er die Geschicke des Hauses als Direktor. Für seine außerordentlichen Leistungen, besonders für seine Verdienste bei der Bekämpfung der Tuberkulose, wurde ihm 1962 der Ehrenring der Stadt Wiener Neustadt verliehen.


Jungarzt sein – damals und heute
Als Kurt Nechvile 1952 als junger Arzt im Krankenhaus angestellt wurde, betrug sein Monatsbezug brutto 1.302 Schilling. Die Arbeitszeit: 96 Wochenstunden. Damals kostete ein Kilo Schwarzbrot 3,50 Schilling. Die Lebensmittelrationierung wurde in Österreich 1952 eingestellt, und so konnte sich Nechvile mit seinem Salär theoretisch 372 Kilo Brot kaufen. Heute beträgt das Grundgehalt eines Turnusarztes 2.753 Euro brutto für 40 Wochenstunden. Ein Kilo Roggenbrot kostet durchschnittlich drei Euro. Ein Jungarzt könnte daher heute etwa 918 Kilo Brot erwerben. Beide Berechnungen beziehen sich auf den Bruttolohn.