In Wiener Neustadt erfahren wir bereits 1296 von der Existenz einer Badstube in der Kesslergasse, Ecke Schulgasse (anlässlich einer Erbschaft an das Kloster
St. Peter an der Sperr). 1484 musste ein Wundarzt zugleich mit einem Bader vor dem Rate der Stadt das eidliche Versprechen ablegen, "... die Armen unentgeltlich, die Reichen aber gegen ein ziemliches Geld getulich zu verarzten". Weiters erfahren wir aus der Geschichte der Stadt, dass 1405 eine Badestube am Wiener Tor gegründet wurde, deren weitere Benutzung belegt ist. Auch der Name des Baders und Wundarztes Steffan Zumpf kann 1602 nachgewiesen werden.

Das Spital zu St. Elisabeth

Wiener Neustadt verfügte bereits Anfang des 14. Jahrhunderts über ein Spital, das sich – wie im Mittelalter durchaus üblich – außerhalb der Stadtmauer vor dem Inneren Wiener Tor befand. Heute stehen auf jenem Platz die Häuser Wiener Straße Nr. 29 bis 35. Dazu gehörte ein weitläufiger Garten. Der Pfarrer der Spitalskirche hatte sowohl die Seelsorge für die im Spital untergebrachten Armen und Kranken als auch für die Dienstleute dieser Wohltätigkeitsanstalt über.

Das Spital war der Hl. Elisabeth geweiht, die im 13. Jahrhundert als ungarische Königstochter den Landgrafen Ludwig von Thüringen ehelichte und fünf Kindern das Leben schenkte. Sie widmete sich besonders der Armen- und Krankenfürsorge. Ihr Hauptaugenmerk galt den Leprakranken, die ihr Leiden aus dem Heiligen Land eingeschleppt hatten. Ihnen haftete ein wenig die Glorie des Martyriums an und sie waren der beste Beweis für die Gefährlichkeit der Kreuz- und Pilgerfahrten.

Das Sundersiechenhaus

Die im 14. und 15. Jahrhundert häufig grassierenden Seuchen mögen die Stadtverwaltung zum Bau eines eigenen Seuchenspitals veranlasst haben. Im Dezember 1430 wird das Haus der "Sundersiechen" als Unterkunft für die Aussätzigen das erste Mal urkundlich erwähnt. Es befand sich weit außerhalb des äußeren Wiener Tores bei der St.-Markus-Kapelle und war vermutlich am Hammerbach gelegen. 1529 wurde das Haus St. Marx (Hl. Markus) wegen der drohenden Türkeneinfälle abgerissen, um dem Feind keine Möglichkeit zu geben, sich hier festzusetzen.

Das Bürgerspital am Pfarrplatz

Wegen der Türkeneinfälle 1529 und 1532 hatten die Insassen des Elisabeth-
Spitals ihre Unterkunft außerhalb des Inneren Wiener Tores verloren und warteten in unzulänglichen Notunterkünften auf die Zuweisung eines neuen Gebäudes innerhalb der Stadt. Vermutlich auf landesfürstliche Empfehlung hin erwarb die Stadt im Jahre 1545 ein unverbautes Grundstück an der Westseite des Domplatzes und errichtete das neue Spital, das Ende des 16. Jahrhunderts fertig gestellt und von den Spitalsleuten bezogen wurde. Der Platz erschien als äußerst geeignet, da die armen Insassen die Kirche besuchen und Almosen sammeln konnten. Auch eine Badstube wurde eingerichtet. Die Zahl der Insassen erhöhte sich von Tag zu Tag. Dieser Neubau, der bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg mit seinen zweigeschoßigen Laubengängen an den drei Hoffronten unverändert erhalten blieb, war ein beachtliches Beispiel der Renaissancebaukunst.

Im Jahre 1762 errichtete der Landschaftsphysikus Andreas Fourlani ein eigenes Krankenhaus, das er zehn Jahre lang führte. Er kam auch für die Kosten der Versorgung der Patienten selbst auf. Dann konnte er den Betrieb seines Spitals nicht länger aufrechterhalten. Er stiftete seine noch zur Verfügung stehenden Mittel dem Bürgerspital, dem Großen Lazarett.

Das Kleine Lazarett

Als im 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts Pestepidemien die Stadt schwer heimgesucht hatten und trotz mancher Vorkehrungen auch innerhalb der Stadt wüteten, entschloss man sich, eine Quarantänestation, ein kleines Lazarett, außerhalb der Stadtmauer zu errichten.

Die Begriffe Lazarett und Quarantäne kommen von der venezianischen Laguneninsel San Lazzaretto Vecchio, in der sich pestkranke Pilger, die aus dem Heiligen Land kamen, "quarantino di giorni" (also vierzig Tage lang) aufhalten mussten, bevor sie die Serenissima (die Stadt Venedig) betreten durften.

Das Gebäude wurde im Osten von Wiener Neustadt erbaut und mit zehn Zimmern ausgestattet. Patienten, die die Pest überstanden hatten, mussten sich dort sechs Wochen – also ebenfalls etwa vierzig Tage -- aufhalten, bevor es ihnen gestattet wurde, in die Stadt zurückzukehren. Freilich hatten sie sich vorher noch

Vom Mittelalter bis zur Pest-Zeit: Die ersten spitalsähnlichen Einrichtungen in Wiener Neustadt entstehen

IMG 0170Hof des Bürgerspitals am Pfarrplatz

IMG 0166 Bombenschäden des Zweiten Weltkriegs am Bürgerspital